• Michael

Das Histogramm - Ein unverzichtbares Hilfsmittel für Fotografen


Wer kennt das nicht: Man steht inmitten einer wunderschönen Landschaft an einem glasklaren Bergsee. Die Luft riecht verlockend nach Frühling, und die aufgehende Morgensonne taucht die Szene in ein aufregendes Licht. „Was gibt es schöneres, als nun die Kamera zu zücken um diesen Moment festzuhalten?“ – denkt nun der Fotograf und hebt seine Kamera ans Auge. Doch Stopp! Ab jetzt ist die weitere Vorgehensweise sehr entscheidend, um das Bild richtig zu belichten.

Problematische Bedingungen: Einen sehr hellen Himmel und eine eigentlich dunkle Landschaft im Vordergrund. Hat man das Foto richtig aufgenommen, dann bekommt man das richtige Endergebnis.


Doch was ist „richtig“? In erster Linie ist es nötig das Bild technisch richtig aufzunehmen und erst an zweiter Stelle künstlerisch richtig, wenn einem dazu überhaupt noch Spielraum bleibt. Denn es gibt nichts Schwierigeres für einen Kamerasensor, als eine Aufnahme mit einem sehr hellen Himmel und einem dunklen Vordergrund. Unser Auge hat damit weniger Schwierigkeiten, denn es besitzt die Fähigkeit, dass es von Punkt zu Punkt springen kann. Dabei passt sich unsere Iris bei jedem Punkt an die dort vorherrschenden Lichtbedingungen an. Deshalb ist es uns möglich, die hellen Wolken genauso detailliert zu betrachten wie die dunklen Felsen im Vordergrund.

Hier ist unsere Kamera im Nachteil, denn sie darf nur ein einziges Foto von diesem Motiv machen und muss dabei trotzdem die hellen und dunklen Stellen gleichermaßen ablichten.

Damit dies gelingt, ist nun der Fotograf gefragt. Hat man eine Kamera mit einem eher kleinen Sensor und möchte außerdem nicht in RAW fotografieren, dann hat man die Möglichkeit, diese widersprüchliche Lichtsituation mit einem HDR Foto zu lösen. Viele Kameras bieten diese Funktion bereits vollautomatisch an. Dabei nimmt die Kamera meist drei oder fünf Bilder in Folge auf und fertigt eine Belichtungsreihe an, mit deren Hilfe sie dann ein fertiges JPEG auf die SD-Karte ausgibt, welches den höchsten Dynamikumfang anbietet. Nicht umsonst heißt diese Technik ja „High-Dynamic-Range“, kurz - HDR.


Typisches HDR-Foto. Es hat einen extremen Dynamikumfang und kann auch schnell künstlich wirken


So weit, so gut. Heute haben wir jedoch das Glück, eine Kamera mit einem großen Vollformat Sensor dabei zu haben, und außerdem wollen wir in RAW fotografieren, was uns einen riesigen Bearbeitungsspielraum ermöglicht, also benötigen wir nicht zwingend ein HDR-Foto.

Nützlich ist es nun zu wissen, dass sich unterbelichtete Stellen in einem Foto viel besser retten lassen, als überbelichtete Stellen. Diese sind schnell ausgebrannt und werden als Pixel ohne Information abgespeichert, also in reinem Weiß. Damit wir ein Bild korrekt belichten, dürfen wir uns natürlich nicht auf die Ansicht im Sucher oder auf dem Display verlassen.

Die Kamera bietet uns hier eine wertvolle Hilfe an: Das Histogramm. Richtiger müsste es jedoch heißen: Histogramm der digitalen Bildverarbeitung - oder: Histogramm der Helligkeitswerte. Denn der Begriff „Histogramm“, ist nicht alleine von der Fotografie gepachtet aber das würde uns nun zu weit vom eigentlichen Thema entfernen.

In diesem Video versuche ich alles zu erklären und zeige praktische Beispiele dazu.


Das Histogramm stellt uns eine kleine Statistik zur Verfügung, in der alle Pixel eines Bildes grafisch nach ihren Helligkeitswerten sortiert sind. Dabei sind alle Pixel, die innerhalb der Histogramm Darstellung zu sehen sind, in dem „technisch korrekten Bereich“. Alle Pixel, die beim Aufhellen des Fotos nach rechts heraus laufen würden, wären überbelichtet und somit reines Weiß.

Ein ausgewogenes Histogramm


Alle Pixel, die beim Abdunkeln des Fotos nach links heraus laufen würden, wären unterbelichtet und somit reines Schwarz. Diese dunklen Pixel lassen sich jedoch wieder viel leichter herstellen, als die weißen Pixel. Im Idealfall befinden sich alle Pixel des Bildes innerhalb des Histogramms. Ein Histogramm, welches ein sehr kontrastreiches Bild darstellt, zeigt über den gesamten Bereich verteilte Pixel, die bis an die Kanten links und rechts heranreichen. Anders verhält es sich bei sehr kontrastarmen Motiven. Sie haben viel Platz zum linken und rechten Rand, und dies zeigt dem Fotografen von vornherein an, dass das Bild kontrastarm ist, also eher flau. Meist kann man das in der Nachbearbeitung noch gut ausgleichen, jedoch ist das nicht immer erwünscht.

So kommt das Bild aus der Kamera. Vorne zu dunkel und oben zu hell. Das Histogramm zeigt beides deutlich an, die Tiefen drängen sich stark links während die Lichter Gefahr laufen rechts raus zu wandern.



Vor diesem Hintergrund stellen wir also in der eingangs erwähnten Situation das Bild lieber etwas zu dunkel ein, als zu hell. Denn damit können wir die sehr hellen Strukturen in den Wolken retten. Damit gerät zwar der Vordergrund, also der See und die Berge zu dunkel, das kann man jedoch mit zwei Methoden gut ausgleichen:

1. Man möchte das Bild nachträglich nicht bearbeiten und speichert in JPEG. Dann hat man bei vielen Kameras die Möglichkeit, direkt bei der Aufnahme den Dynamikwert zu erhöhen, das bedeutet, dass die Kamera das Bild in den Tiefen selbstständig wieder aufhellt und das Foto so abspeichert.

2. Man möchte das Bild nachträglich bearbeiten und fotografiert sowieso in RAW. Wählt man diesen Weg, dann kann man später in der Nachbearbeitung, z.B. in Adobe Lightroom das Histogramm perfektionieren.

Viel zu hell aufgenommen. Die Lichter drängen sich stark am rechten Rand, ein Zeichen dafür das die Details in den Wolken verloren sind.


In der Regel ist das Bild dann perfekt belichtet, wenn wir die Tiefen so einstellen, dass sie gerade so „anspitzen“ und die Lichter ebenso. Ein deutliches Zeichen für eine Über- oder Unterbelichtung ist, wenn sich einzelne Pixel dicht am rechten oder linken Rand des Histogramms drängen.

Ein weiterer, großer Vorteil des Histogramms ist, dass es stets das gesamte Bild widerspiegelt, wohingegen der Belichtungsmesser der Kamera immer nur einen voreingestellten Bereich misst und anzeigt.

Nimmt man das Bild leicht zu dunkel auf, dann kann man später in der Nachbearbeitung dieses Ergebnis erzielen. Das Histogramm ist ausgewogen und es drängen sich Pixel weder nach links, noch nach rechts raus. Dies macht sich auch in den hellen Wolken bemerkbar. Sie haben sichtbar Struktur.


Fazit: Das Histogramm ist eine verlässliche Hilfe, wenn es darum geht, die Belichtung eines Bildes genau beurteilen zu können. So kann man gezielt verhindern, dass bei einem stark kontrastreichen Motiv die Details in den Lichtern ausbrennen und damit verloren gehen. Jeder Fotograf, der es mit der Belichtung halbwegs ernst meint, sollte es nutzen und damit umgehen können. Kameras mit einem kleineren Sensor, unterhalb der APS-C Größe, sollten bei einem hohen Kontrastumfang des Motives dann doch lieber zum HDR zurückgreifen. ML


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