• Michael

Der unsichtbare Staat der Schwarzen Wegameise (Lasius niger)



Es ist schon irgendwie skurril. Oft läuft man so durch die Landschaft, um ein wenig frische Luft zu schnappen, oder man hetzt durch die Stadt, um irgendwelche Einkäufe zu erledigen. Dabei spielt sich unter unseren Füßen eine ganz andere Welt ab, mit ihren ganz eigenen Sorgen und Nöten. Es ist das Reich der Schwarzen Wegameise, Lasius niger. Zielstrebig und mit äußerster Präzision baut sie ihren eigenen, kleinen Kosmos auf, in dem sie lebt und arbeitet.


Unsere Augen befinden sich meist in großer Höhe, und so nehmen wir die kleinen Krabbler nur hin und wieder wahr, wenn sie geschäftig am Boden umhersausen, um kurz darauf in kleinen, sandigen Löchern zu verschwinden. Aber ­– was geht da wirklich vor sich? Und – woher kommen diese kleinen, fleißigen Insekten? Wie entstehen sie? Bereits König Salomon bemerkte vor ca 3000 Jahren, dass es sich durchaus lohnen kann, sich etwas näher mit diesen kleinen Insekten zu befassen und sie zu beobachten (Sprüche 6, die Bibel).


Eine Arbeiterin untersucht neugierig ein Korn


Der ganze Staat stammt von nur einer Mutter ab: Der sogenannten Königin


Der Kreislauf beginnt damit, dass eine Königin sich in der Luft mit einem Männchen paart und daraufhin wieder auf der Erde landet. Hier beginnt sie dann zuerst damit, sich die Flügel abzukauen. Diese sind ihr ausschließlich für diesen einen Paarungsflug gewachsen und werden ab jetzt nicht mehr benötigt. Anschließend gräbt sie sich wieder ein, um in Ruhe abzuwarten, bis sich ihre Eier entwickeln, aus denen schon bald Larven entstehen, um die sie sich ganz alleine kümmert. Daraus schlüpfen dann endlich ihre ersten sogenannten „Arbeiterinnen“. In Wirklichkeit handelt es sich bei der Königin nicht um eine echte Königin, die Recht spricht, oder über Ländereien regiert. Sie ist vielmehr die Mutter aller in dem Staat befindlichen Ameisen und steuert über ihre Geburtenrate die Größe des Staates.

In diesem Video von mir seht ihr die Ameisen extrem groß


Dabei entscheidet sie, ob sie befruchtete oder unbefruchtete Eier ablegt. Legt sie befruchtete Eier ab, dann entstehen daraus später Arbeiterinnen, vorausgesetzt die Larven wurden mit normalem Futter aufgezogen. Werden die Larven mit besonders hochwertigem Futter aufgezogen, dann entstehen neue Königinnen, die den Bau für einen Schwarmflug verlassen - der Kreislauf beginnt wieder von neuem. Legt die Königin unbefruchtete Eier, entstehen die für die Paarung benötigten Männchen.


Sobald die Arbeiterinnen geschlüpft sind, beginnen sie sofort mit ihren Aufgaben. Es ist ein Wunder, wenn man beobachtet, wie jede Einzelne von ihnen versteht, was zu tun ist. Sie graben Gänge, legen entfernt vom Bau einen Müllhaufen an, auf dem aller Unrat abgelegt wird, versorgen die Königin mit Wasser und Futter und kümmern sich ebenso um die Larven. Sie wehren Feinde ab und – unglaublich aber wahr – sie bewirtschaften eigene „Läusefarmen“.


Denn durch die sorgfältige Pflege von Läusen, gerät die Ameise durch das bekannte „Melken“ an die für sie begehrte Zuckerlösung, welche die Läuse bei diesem Vorgang absondern.


Das ist doch höchst erstaunlich! Wir reden hier von kleinen Insekten, die nicht größer als 3-5mm sind, und die dennoch ein so ausgeprägt kluges Verhalten aufzeigen, wenn es um ihren eigenen Fortbestand und das Wachstum ihres Staates geht. Viele Verhaltensweisen sind dabei noch völlig unklar. Alleine schon die Tatsache, dass die Königin im Schwarmflug auch tatsächlich auf ein Männchen in der Luft trifft, ist ein Wunder und nahezu unglaublich. Ebenso beeindruckend ist es auch zu beobachten, wenn eine Arbeiterin in einiger Entfernung zum Bau vielversprechende Beute ausgemacht hat. So ist es mir am Strand schon mal passiert, dass sich im Nu eine meterlange “Ameisenstraße“ bzw. Kolonne formiert hat, nur um die Kekskrümel abzutransportieren, die ich dort verstreut hatte.

Die Kauscheren der Arbeiterinnen können ordentlich zupacken und sie sind das wichtigste Werkzeug


Nachgewiesen wurde, dass eine Ameisenkönigin von Lasius Niger bis zu 30 Jahre alt geworden ist. Über ihr gesamtes Leben hat sie unzählige Gehilfinnen hervorgebracht. Dabei verlässt die Königin ihr Nest nie. Eigentlich ein scheinbar trostloses Dasein, in völliger Dunkelheit und nur versorgt von den fleißigen Arbeiterinnen.


Eine Waldameise schleppt eine Feuerwanze hinter sich her


Wenn Ihr einen Einblick von dieser Ameisenart haben möchtet, dann schaut Euch doch gerne mein kleines Video dazu an. Hier seht ihr in das Innenleben eines Ameisenbaus – und: Die 4mm kleinen Arbeiterinnen wurden so stark vergrößert, dass sie formatfüllend auf eurem Bildschirm angezeigt werden und Ihr sogar die Facettenaugen und die Kauscheren erkennen könnt. ML

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