• Michael

Fotografieren lernen – Belichtung

Aktualisiert: 30. Jan 2018

Einfacher als man denkt.


Viele Anfänger kommen nicht so richtig weiter, wenn sie auf einem der Automatik-Modi fotografieren. Immer wieder kommt es vor, dass die Kamera ungewollt den Blitz verwendet, Bilder zu dunkel oder zu hell geraten und manchmal sogar verrauscht sind.

Damit man die Kamera komplett verstehen lernt empfehle ich immer, zuerst alle Automatiken der Kamera abzuschalten, sofern die Kamera dies anbietet. Am Besten man dreht dazu das Moduswahlrad auf „M“. Nur wenn man verstanden hat, was in den einzelnen Situationen zu tun ist, kann man Pannen vermeiden. Natürlich können wir die Grundregeln der Physik auch mit einer guten Kamera nicht aushebeln. Daher müssen wir uns auch in diesem Rahmen bewegen und verstehen lernen, wo die Grenzen des Machbaren liegen.


Um die Belichtung eines Fotos korrekt einzustellen benötigen wir im Grunde nur 3 Regler:


- Die Belichtungszeit (auch Verschlusszeit genannt)

- Die Blende

- Die ISO


Zeit

Am leichtesten verstehen wir das Ganze wenn wir die Kamera mit dem menschlichen Auge vergleichen, denn dieses wird ja von der Kamera nachgeahmt.

In diesem Video habe ich das ausführlich erklärt:

Nehmen wir an, unser Augenlid ist der Verschluss unserer Kamera. Denn der Verschluss regelt die Belichtungszeit. Ist es zu hell, dann genügt es uns, unser Augenlid nur kurz zu öffnen, machen wir es länger auf, dann sind wir schnell geblendet. Also: Ist es hell, dann müssen wir auch eine eher kürzere Verschlusszeit in der Kamera einstellen. Dies ist auch nützlich um Dinge „einzufrieren“. Ich will ja schließlich nicht, dass ein Vogel im Flug verwischt - oder der Wassertropfen, den ich fotografieren möchte.

Eine kurze Verschlusszeit kann schnelle Bewegungen einfrieren.


Umgekehrt verhält es sich bei zu wenig Licht. Hier öffnen wir das Auge lange, um etwas erkennen zu können. Also: je dunkler es wird, desto länger stellen wir die Verschlusszeit ein. Hat man ein Stativ und fotografiert ein stilles Objekt wie zum Bsp. Landschaft oder ein Stillleben, dann kann man dies getrost tun. Hat man aber kein Stativ, dann darf eine gewisse Verschlusszeit nicht unterschritten werden, denn dann würde das Motiv verwackeln. Man kann aber eine lange Verschlusszeit auch künstlerisch einsetzen, z.B. um Autoscheinwerfer verwischen zu lassen.

Eine lange Verschlusszeit lässt die beleuchteten Schiffe auf dem Rhein verwischen.


Merke: Eine kurze Verschlusszeit wählt man bei schnellen Objekten, die man trotzdem scharf abbilden möchte. Da aber eine kurze Verschlusszeit (= Belichtungszeit) nur wenig Licht auf den Sensor lässt, kann sie nur verwendet werden, wenn genügend Licht zur Verfügung steht - z.B. bei praller Sonne. Außerdem erreicht man mit einer langen Verschlusszeit durchaus kreative Effekte.


Blende

Kommen wir zur Blende, sie ist die zweite Komponente, die ein Bild beeinflusst. Die Blende ist unserer Iris nachempfunden. Ist es zu hell, dann schließt sich unsere Iris. Ist es zu dunkel, dann geht sie wieder auf. Genauso verhält es sich mit der Blende.


Komme ich also mit meiner Verschlusszeit an meine Grenze, dann kann ich die Blende noch ganz öffnen, damit mehr Licht einfallen kann. Ist zu viel Licht vorhanden, dann kann ich die Blende schließen um es „auszusperren“.





Die Blende hat jedoch auch eine gestalterische Funktion. Öffne ich die Blende ganz, z.B. auf f2.8, dann habe ich auch eine geringe Tiefenschärfe. Dies ist nützlich, um z.B. ein Porträt sauber vom Hintergrund abzuheben, denn der Hintergrund wird dann wunderschön unscharf.

Ein Schneeglöckchen mit offener Blende fotografiert. Der Hintergrund verschwimmt weich.


Möchte ich mehr Tiefenschärfe, z.B. weil ich das Gemüse am Marktstand von vorn bis hinten scharf abbilden möchte, oder ein Insekt mit dem Makroobjektiv, dann schließe ich die Blende. Voraussetzung dafür ist jedoch, dass genügend Licht zur Verfügung steht. Um das Spiel mit der Blende so umsetzen zu können ist es auch nötig, dass man eine Kamera mit einem größeren Sensor verwendet. Ab 1 Zoll ist dieser Effekt bereits zu erkennen. Je größer der Sensor der Kamera, desto eher könnt Ihr den Hintergrund verschwimmen lassen wenn ihr die Blende des Objektivs öffnet. So ist es übrigens auch mit unserem Auge, wenn sich die Iris schließt, dann sehen wir tatsächlich schärfer, bzw. etwas deutlicher. Man kann dies simulieren, indem man durch ein kleines Loch schaut (ca 2 mm). Dabei gelingt es dann tatsächlich, eine weit entfernte Schrift besser entziffern zu können, als ohne dieses Hilfsmittel. Aber dies nur am Rande.

Am Marktstand hilft eine geschlossene Blende um von vorn bis hinten alles scharf zu bekommen.

Aber auch ein kleinerer Sensor ist hier hilfreich.


Was man sich allerdings etwas verinnerlichen sollte, ist der Blendenwert. Je offener die Blende, desto kleiner ist der Blendenwert. Also z.B.: f/2.0 lässt viel mehr Licht durch als f/18.

Merke: Man kann mit der Blende nicht nur das Bild heller oder dunkler gestalten, sondern nimmt auch großen Einfluss auf die Bildwirkung (Effekt nur bei größeren Sensoren sichtbar). Fotografiert man z.B. eine Katze in kurzer Entfernung und hat die Blende offen auf f/2.0, dann verschwimmt der Hintergrund, was einen professionellen Look ergibt. Möchte man mehr Tiefenschärfe und hat obendrein noch ausreichend Licht zur Verfügung, dann muss man die Blende schließen, z.B. auf f/13.


ISO

Die ISO ist die dritte Komponente der Belichtung. Als Anfänger kann man sich die Faustregel einprägen, dass die ISO immer so niedrig wie möglich gehalten werden sollte. Die ISO kann bei der Belichtung des Bildes entscheidend helfen, stellt man sie jedoch zu hoch ein, fängt das Bild zu rauschen an, und Details gehen verloren. Die ISO ist die Empfindlichkeit des Sensors. In meinem Video zum Thema Belichtung, vergleiche ich dies mit Koffein. Nimmt man Coffein zu sich, dann verbessert sich auch unsere Sehleistung. Zu viel davon kann aber auch negative Folgen haben. So ist das auch mit der ISO. Als Richtwert kann man mit ISO 100 arbeiten. Wie schnell der Sensor zum Rauschen neigt, ist gerade auch von seiner Größe abhängig. Hat man einen 1-Zoll Sensor, dann bemerkt man bereits ab ISO 800 ein deutliches Rauschen. Bei einem APS-C Sensor wird es ab ISO 3200 kritisch (Stand heute). Ein Vollformat-Sensor verträgt hingegen durchaus bis ISO 6400. Noch ein Satz zum Rauschen: Bei einem ausgedruckten Foto wirkt sich Rauschen viel weniger aus als auf dem Monitor.

Deutliches Rauschen mit einem APS-C Sensor bei ISO 3200. (Sony Alpha 77)

Seitdem hat sich viel getan.


Gut.., zurück zur Einstellung. In der Regel stellt man zuerst die Belichtungszeit und Blende ein, je nachdem, welche Kriterien mir für mein Bild wichtig sind.


-Verwischen/Verwackeln oder das Bild ist zu dunkel -> Belichtungszeit länger stellen

-Einfrieren oder das Bild ist zu hell -> Belichtungszeit kürzer stellen

-Hintergrund soll weich werden oder das Bild ist zu dunkel -> Blende weiter öffnen

-Hintergrund soll scharf sein oder das Bild ist zu hell -> Blende weiter schließen


Ok… habe ich dies nun alles eingestellt ABER das Bild ist immer noch zu dunkel??? Dann ist der Moment der ISO gekommen! Ich muss den ISO Wert also so weit erhöhen bis mein Bild ausgewogen belichtet ist. Das ist schon das ganze Geheimnis zur Belichtung.

Andere Feinheiten zu dem Thema, habe ich momentan noch beiseite gelassen, da es gerade Anfänger zu sehr verwirren würde.


Steht genug Licht zur Verfügung? Dann ISO nach unten stellen. Hier "rauschfreie" ISO 100


Ein kleiner Tipp am Rande noch: Die ISO wirkt sich auch direkt auf unseren Blitz aus. Fotografieren wir ein Objekt mit ISO 200 und Blitz, dann wirkt sich der Blitz doppelt so stark auf das Bild aus, als hätten wir mit ISO 100 gearbeitet. Genügt Euch also die Blitzleistung nicht: ISO nach oben. ML




5 Kommentare

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