• Michael

Namibia SELF DRIVE TOUR Ankunft mit Hindernissen

Aktualisiert: 23. Mai 2018



Erschöpft, aber noch durchaus gut gelaunt, stiegen meine Frau Marion und ich aus dem Flugzeug. Der Flieger war zwei Stunden verspätet gestartet, und die Flugzeit war knapp 10 Stunden gewesen. Schwer bepackt mit zwei Reisetaschen und unendlich viel Kamera-Equipment begaben wir uns zum vorher vereinbarten Mietwagenschalter. Dort lungerte ein scheinbar lustloser Angestellter herum und machte sich sichtbar klein.

Wir zeigten ihm unsere Reservierungsbestätigung für unseren bestellten Geländewagen und er wies uns an, gegenüber zu warten, er würde jemanden anrufen, der uns dann abholen sollte.


Wir schleppten unsere vielen Taschen also an die gegenüberliegende Wand und beobachteten, wie der Angestellte wieder Platz nahm und sich wieder möglichst unsichtbar machte. Nur eines tat er nicht: Zum Hörer greifen.

Am Flughafen in Frankfurt schon etwas müde

Während wir also rätselten, ob wir ihn richtig verstanden hatten, gesellten sich noch weitere Personen an den Schalter, die er alle zu uns herüberschickte. Ein Wunder war es allerdings, dass diese Menschen ihn überhaupt gesehen hatten. Er gab sich zwar alle Mühe, aber vermutlich wurde ihm seine spiegelglanz-polierte Glatze zum Verhängnis, die zur Hälfte über den Tresen lugte. Eine gefühlte halbe Stunde später stand er auf und ging zu der Gruppe neben uns, die daraufhin das Flughafengebäude in Richtung Ausgang verließ. Misstrauisch geworden ging ich zu ihm herüber und fragte ihn, ob unser Fahrer da sei, und ob wir ebenfalls aus dem Gebäude gehen sollten. Aus für uns nicht nachvollziehbaren Gründen blickte er uns mit einer Mischung aus Ratlosigkeit, Gleichgültigkeit, Lustlosigkeit und einer kleinen, aber dennoch sichtbaren Portion Hilfsbereitschaft an, überlegte kurz, strich sich dabei über die Glatze und entschied sich dann, uns ebenfalls aus dem Gebäude zu lotsen. Puh, das war eine ‚schwere Geburt‘. Zum Glück sind wir beide in afrikanischen Verhältnissen nicht ganz unerfahren, und deshalb machten wir uns über derart Verhalten keine langen Gedanken. Denn eines muss man sich dort ganz schnell angewöhnen: Geduld. Geduld, aber auch Beharrlichkeit, seinen Wünschen Nachdruck zu verleihen, nicht zu lange warten. Hätten wir in dieser Situation nur schweigend und geduldig gewartet, würden wir vermutlich noch heute dort stehen.


Ein klappriger Kleinbus fuhr nun unsere Gruppe ein paar Straßen weiter zum dortigen Autoverleih. Wir wurden freundlich empfangen und durften es uns bequem machen. Der Hof stand mit gefühlt zweihundert Geländewagen voll und somit sollte dem Ausleihen nichts mehr im Wege stehen. Aber natürlich mussten wir auch hier den Faktor „Afrika“ mit einberechnen. Gekonnt verstand es „Franko“ uns mit immer neuen Formularen bei Laune zu halten. Nach jedem Formular hofften wir, dass es nun endlich bald losginge. Später verstanden wir, dass dies einfach zur ‚Show‘ dazu gehörte, die lange Wartezeit möglichst kurzweilig wirken zu lassen. Ich schaute aus dem Fenster und sah dem regen Treiben zu. Hektisch wurden Fahrzeuge ausgesaugt, neues Geschirr herbeigeschleppt, Matratzen ausgeklopft. Zu diesem Zeitpunkt dachten wir noch, dass dies die zurückgekommenen Fahrzeuge waren, während unsere bereits geschniegelt und gespornt bereit stehen würden. Falsch gedacht. Nach vier Stunden war uns klar, dass dies unsere Fahrzeuge sind, die hier überstürzt vorbereitet wurden. Siebzehn Unterschriften und vier Aufforderungen: „Bitte trinken Sie noch einen Kaffee, Tee und machen Sie es sich bequem“- später, wurden wir in einer Gruppe zur Fahrzeugeinweisung rausgeschickt. Auch diese Vorstellung war von einem Charme, als wären wir bei ‚Versteckte Kamera‘ gelandet.


Eine noch weniger motivierte junge Dame erklärte uns die wichtigsten Funktionen unseres Wagens. Es scharten sich ca. 15 Personen um das Vorführauto. Ganz beiläufig erwähnte sie, dass heute vermutlich niemand mehr vom Hof käme. Es fehle an so ziemlich allem - laut ihrer Beschreibung. Kühlboxen, Kompressoren, Gasflaschen usw. - kein Auto wäre vollständig, so ihre Bilanz. Ich nahm sie hier nicht beim Wort und blieb erst mal locker. Vielleicht auch nur Show, die Erwartungen erstmal niedrig zu halten. Ich beeilte mich, noch vor der großen Gruppe wieder bei Franko zurück zu sein. Wie man einen Gaskocher in Betrieb nimmt, musste ich mir nicht erst zeigen lassen. Ich gab ihm zu verstehen, dass ich nun die Einweisung erhalten hatte und nur noch unser Auto fehlen würde. Er versprach mir aber, dass ich auf jeden Fall ein Auto bekäme, er könne mir allerdings nicht sagen wann. Ich fragte ihn, ob das auch morgen bedeuten könne, aber er ließ sich auf keinen Zeitpunkt festnageln. Wie beruhigend!! Nach einer weiteren Stunde und noch mehr Formularen später war es dann endlich so weit. Die gute Nachricht: Wir bekamen unser Auto! Die Schlechte: Es war unvollständig. Gasflasche und Kompressor fehlten. Kein Problem - meinte Franko, wir sollen einfach alles nachkaufen, und er ziehe es uns von der Rechnung ab. Na toll, genauso haben wir uns das vorgestellt… Außerdem fehlte noch die Kühlbox, aber auch hierfür hatte er eine Lösung parat. Wir sollten sie einfach in Windhuk bei seinem Kollegen Eddie abholen. Er habe ihn schon angerufen und Eddie warte vor einem kleinen Supermarkt auf uns. Das Auto war auch nur halb voll aufgetankt, aber er wolle schnell vor uns herfahren, dann könnten wir auf seine Rechnung volltanken. Puh! Wer hier nach einer schlaflosen Nacht im Flugzeug noch zuversichtlich bleibt…naja. Mittlerweile war es schon 14.30 Uhr, und wir mussten noch 200 km fahren, außerdem hatten wir ja vor der Tour noch einen Großeinkauf geplant. Nach etwas Sucherei fanden wir Eddie, der vor einem Hinterhof-Supermarkt auf uns wartete. Neugierig kamen ein paar Herumstehende näher, um uns anzubetteln. Etwas mulmig ist einem schon immer dabei, schlummern doch sehr viele Wertsachen im Auto, und alles musste ja offenstehen, um die Kühlbox installieren zu können. Auch hier war wieder afrikanisches Improvisieren gefragt, gerade das macht ja den Kontinent unter anderem so charmant. Eddie versuchte also, die zwei Drähte im Heck unseres Autos mit denen der Kühlbox zu verdrillen. Scheinbar hatte er keine Lüsterklemme. Aber mit was sollte er die Kabel abisolieren? Beherzt griff ich in das Besteck-Schubfach und reichte ihm ein großes Fleischermesser, dass er auch schließlich mit einem knurrigen Laut annahm. Kaum hatte er die Drähte miteinander verdrillt, bahnte sich auch schon das nächste Problem an. Mit was isolieren? Vorsichtig bewegte Eddie die Drähte und sie berührten sich dabei. Ein lautes Funken und Knistern untermauerte die Notwendigkeit, dass die Drähte unbedingt isoliert werden sollten. Ein Isolierband war natürlich Fehlanzeige. Eddie schielte schon Richtung der Frischhaltefolie, mit der unser Besteckkasten eingewickelt war. Da entdeckte er zum Glück noch eine andere Möglichkeit. In der Nähe der Heckleuchte befanden sich zwei neue Drähte, die schön mit schwarzem Isolierband eingewickelt waren. Eddie entschied sich, dass diese Drähte bestimmt ohne Funktion seien und wickelte dort das Band ab, um es um die Drähte der Kühltruhe zu wickeln. Er sollte Recht behalten, die beiden anderen Drähte waren tatsächlich ohne Funktion. Eddie ließ währenddessen seinen geübten Blick über den Inhalt unseres Autos schweifen und entdeckte dabei, dass wir nicht mal einen Camping-Tisch an Bord hatten. Ups! - das hatten wir noch gar nicht bemerkt! Auch eine kleine Gasflasche hatte er dabei, die sogar noch zu einem Drittel gefüllt war.


Nur nicht aus der Ruhe bringen lassen


Nach dem Großeinkauf im Supermarkt machten wir uns also um 15.30 Uhr endlich zu unserem geplanten Ziel - ‚Camp Elephant Erindi‘ auf. Viele Kilometer später, immer im Bewusstsein, dass die Sonne bald untergehen würde - und es ja nicht ratsam ist, im Dunkeln weiter zu fahren – waren es nun noch 20 km. Wir fuhren auf der Schotterpiste durch die weite, einsame Savanne. Kein Mensch weit und breit. Das Navi kündigte uns die nächste Abzweigung an, aber anstatt einer normalen Straße befand sich an dieser Stelle ein mit Eisenketten verschlossenes Tor. Nun rächte es sich, dass ich mir die Anfahrt vorher nicht noch einmal genauer angesehen hatte. Ein kurzer Blick auf das Navi Das waren mal locker 80 km Umweg! Waren wir bis dahin noch einigermaßen ruhig geblieben, kam nun doch etwas Panik auf. Die Sonne war nun doch schon untergegangen – und jetzt?



‚Auf dem Zahnfleisch‘ weiter durch die Nacht fahren? Hier schlafen? Mitten auf der Straße?? Meine Frau drängte mich dazu, bei der Farm gegenüber anzuläuten, um nach einer Übernachtungsmöglichkeit zu fragen. Widerwillig wendete ich also den Wagen, hatten wir nicht die erste Nacht am Ziel-Camp bereits bezahlt? Marion klingelte also vorne am Tor. Nach kurzen Verständigungsschwierigkeiten öffnete man uns, und wir fuhren erleichtert ein. Schnell stellte sich heraus, dass es sich um die deutsche RB Jagd- und Gästefarm handelte, die wirklich paradiesisch gelegen war. Frau Becker empfing uns warmherzig und wies uns großzügig einen Platz zu.



Wir waren ganz alleine, die letzten Gäste waren alle schon fort. Etwas frustriert von den Strapazen, aber dennoch sehr erleichtert, klappten wir unser Dachzelt aus und beschlossen bei einem Gläschen Wein, erstmal ordentlich zu schlafen. Ausgeruht würde Afrika morgen dann sicherlich wieder ganz anders aussehen. ML (Hier geht es zum Teil 2!)

Die Bilder zeigen die RB Gästefarm Namibia

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