• Michael

Namibia SELF DRIVE TOUR Tag 12 - Ein langer Tag

Aktualisiert: 25. Juni 2018



04.00 Uhr am Morgen: Ich kroch aus dem Dachzelt, (hier gehts zum Vortag) um meinen Slider samt Equipment auf einen nahegelegenen Aussichtsturm zu schleppen. Marion schlief weiter. Mein Ziel war es, eine Timelapse mit Nacht-zu-Tag Ramping zu erstellen. Trotz meiner Strickjacke fror ich etwas und zog mir die Kapuze über. Ich richtete alles ein und startete die Timelapse. Für das Belichtungsramping war es noch viel zu früh, da die Sonne erst um 7.00 Uhr aufgehen sollte, und so ging ich zurück zum Zelt, um mich noch eine gute Stunde auf´s Ohr zu legen. Ich öffnete den lauten Reißverschluss und hoffte, dass Marion nicht aufrecht im Bett sitzen würde. Ich krabbelte wieder in meinen Schlafsack und stellte meine Armbanduhr auf 6.00 Uhr ein. Mit jedem Tastendruck gab meine Uhr einen Piepston von sich, der sich in der Stille der Nacht doppelt so laut anhörte als tagsüber. Schließlich und pünktlich erinnerte mich der Wecker durchdringlich an mein Vorhaben. Hatte Marion ihre Ohrenstöpsel drin? Ich hoffte es, krabbelte wieder nach vorne zum Reißverschluss und öffnete ihn geräuschvoll, um anschließend die schaukelige Leiter hinunter zu steigen. Geschafft! Mit einem schlechten Gewissen, meiner Frau für 20 Sekunden Film so viel zumuten zu müssen, schlich ich mich zum Aussichtsturm, um bis zur aufgehenden Sonne noch kräftig zu frieren.

Dieses Bild zeigt die Milchstraße und ist ein einzelnes Frame aus dieser Sequenz


Ich starrte in den Himmel hinauf, um die Sterne zu beobachten. Besonders beeindruckten mich die Satelliten, die mit bloßem Auge zu sehen waren und ihre Bahnen zogen. Kurz vor Sonnenaufgang hörte ich Schritte näher kommen. Sollte es einen weiteren Verrückten geben, der hier auf diesen Turm hinauf wollte, um die aufgehende Sonne zu beobachten? Der Campsite war doch fast leer! Richtig vermutet: Ein junger Mann näherte sich dem Turm. Ärgerlich! Er würde beim Hinaufsteigen alles zum Schwanken bringen und meine Timelapse gefährden. Aber ich bin es ja mittlerweile gewohnt. Eine Fotoreihe, die über so viele Stunden Aufnahmen erzeugt, bleibt nur selten ungestört. Entweder kommen Fliegen, Vögel hüpfen vor der Linse umher oder das Objektiv beschlägt, Autoscheinwerfer flackern immer wieder auf oder -wie heute: So manches Frame verwackelt. Das gehört eben dazu. Mühsam ernährt sich das Eichhörnchen...

Dazu kam, dass der Slider nicht schnell genug Richtung Sonne schwenkte, und der eigentliche Sonnenaufgang als Highlight auch nicht ins Bild kam. Na super, alles mal wieder perfekt gelaufen. Ich konnte es dem Mann natürlich nicht verübeln, und wir unterhielten uns in holprigem Englisch über dies und das. Er war Niederländer. Wir tauschten einige afrikanische Erfahrungen aus und amüsierten uns über die ein- oder andere Kuriosität im Land. Keckernd flogen noch einige Tokos über uns hinweg und ich fotografierte noch weitere interessante Vögel.




Um 8.00 Uhr kletterte ich wieder schwer bepackt den Aussichtsturm hinunter und machte mit Marion ein kleines Frühstück zurecht. Kurz vor der Abfahrt entdeckte ich noch einen sogenannten ´Rotbauchwürger´, der sonst sehr versteckt lebt und öfter zu hören, als zu sehen ist. Mir gelangen einige Aufnahmen von diesem wunderschönen Tier und ich war sehr glücklich darüber. Heute sollte es ja Richtung Etosha-Salzpfanne gehen und wir lagen gut in der Zeit.

Der Rotbauchwürger ist ein eher versteckt lebender Vogel.


Auf der Fahrt dorthin fuhren wir über gut geteerte Straßen und hörten deutsches Radio. Es war amüsant zu hören, dass das Radioprogramm vor Ort ungefähr dem bei uns aus den 50er Jahren anmutete. Es wurden viele christliche Lieder gespielt und uns fiel auf, dass so etwas im deutschen Radio zuhause überhaupt keine Rolle mehr spielt. Spontan fiel uns jedenfalls keine prominente Frequenz ein, die Ähnliches anbieten würde. Außerdem wurde deutlich, dass die namibische Bevölkerung ganz andere Probleme hat, als die Deutsche. Während es bei uns scheinbar nur noch um Social-Network-Probleme, Hasskommentare, Abgaswerte, Abschaffung der Plastiktüten oder den geplanten Bau einer DITIB-Moschee geht, gibt es dort Nachrichten aus ganz Afrika, Haushaltstipps, Kaufgesuche und Verkaufsangebote, sowie Stellenangebote. So kamen wir also, bestens darüber informiert, wie man Motten aus Küchenschränken entfernen kann, an der Etosha-Salzpfanne an.

Warzenschweine rennen tatsächlich häufig vor das Fahrzeug


Innerhalb des riesigen Gebiets befinden sich drei Campsites, wovon wir aber nur zwei verschiedene für jeweils eine Nacht vorreserviert hatten. So fuhren wir also in Pirschfahrt-Tempo an der südlichen Kante der Salzpfanne entlang und hielten nach Tieren Ausschau. Wir hatten gut 70 Kilometer bis zum ersten Camp vor uns und konnten uns dafür den restlichen Tag Zeit lassen. Wir sahen zahlreiche Tiere und kamen gegen Spätnachmittag am Campingplatz an.

Giraffen, Schildrabe, Gelbschnabel Toko und rote Kuhantilope


Dort machten wir eine kurze Pause, denn wir wollten das flache Sonnenlicht am Abend für Tieraufnahmen nutzen. Gesagt getan. So fuhren wir noch am Abend raus – gespannt, was uns vor die Linse laufen würde. Immerhin hatten wir noch keinen einzigen Elefanten gesehen, und es gibt immer wieder Berichte, dass das keineswegs selbstverständlich ist. Manche Reisende ‚erwischen‘ in 18 Tagen Aufenthalt tatsächlich keinen Einzigen. Aber unser Herzenswunsch sollte sich an diesem Abend erfüllen, wenn auch nicht so wie gedacht. Wir waren schon auf dem Rückweg und bis auf ein paar Giraffen erfolglos geblieben. Wir fuhren einen schmalen Weg entlang, bei dem wir uns gar nicht sicher waren, ob das Befahren erlaubt war, da ein umgefallener Sperrstein auf dem Weg lag... und plötzlich! - wie aus dem Nichts stand ein großer Elefant vor uns. Ganz alleine. Er war sehr gereizt und überhaupt nicht über unser Auftauchen erfreut. Ich nutzte ein kurzes Zeitfenster, um an ihm vorbeizufahren, als er sich an den Blättern im Gebüsch gütlich tat.

"Unser" erster Elefant lief hin und wieder aufgebracht hinter unserem Wagen her.


Es war bestimmt sicherer, ihn hinter uns zu haben als vor uns, wenn wir später nicht vor verschlossenen Campsite-Toren stehen wollten.

Immer wieder ging er trompetend und schnaubend, mit hoch erhobenem Rüssel hinter unserem Wagen her. Wir mussten immer wieder ein gutes Stück vorwärts fahren, um unseren Abstand zu vergrößern. Schließlich war alles gut gegangen und wir hatten es noch pünktlich, glücklich und zufrieden zurück zum Platz geschafft. In diesem Video seht ihr einen kleinen Ausschnitt der aufkommenden Panik ;-)


Aber die Erlebnisse des Tages sollten noch nicht ganz vorbei sein. Als wir zu Abend gegessen hatten, machte Marion noch den Vorschlag, zum Wasserloch zu gehen, das zum Campingplatz gehörte. Als wir dort ankamen, saßen zwei Dutzend Leute auf einer überdachten Steintribüne und starrten schweigend ins Halbdunkel. Ca. 50 Meter vom beleuchteten Wasserloch entfernt stand ein Nashorn mit einem Jungtier und drückte sich an den Rand des Gebüschs. Überhaupt wirkte die ganze Szene wie im Theater, in welchem die Zuschauer gespannt von ihren Plätzen auf einen beleuchteten Bereich blicken, um die Darbietung entweder gut oder schlecht zu finden. Auch an diesem Abend stand so einiges auf dem nicht veröffentlichten Programm! Zuerst kamen - unfassbar- gleich sechs Elefanten auf die „Bühne“ um das Wasserloch halb zu umkreisen und sich dann zum Trinken aufzustellen.

Die ersten Elefanten betreten die "Bühne"


Wir staunten nicht schlecht, als weitere sechs bis sieben Elefanten aus dem Dunkel kamen, um es ihnen gleich zu tun. Kaum hatten sie ihre Plätze eingenommen, als nochmals ca. sechs Elefanten herankamen, um sich ebenfalls an das Wasser zu drängen. Nun ging es schon richtig lustig zu an dem kleinen Teich! Zu guter Letzt bequemten sich nochmal vier Elefanten heran, so dass es nun unglaubliche 22 Tiere waren! Darunter waren auch zwei ganz Kleine.

Die Tiere kommen um ihren Durst zu stillen und gehen dann gleich weiter.


Das Nashorn mit seinem Sprössling stand unbeweglich am Rand des Gebüschs und machte sich möglichst unsichtbar. Auch das Nashorn seht ihr oben in dem Video. Unglaublich! Vor einer Stunde waren wir noch überglücklich einen Elefanten gefunden zu haben, und nun - so eine riesige Herde! Als es bei der lustigen Truppe da unten so richtig rund ging, passierte bei uns auf den Tribünen etwas eigenartig Komisches.

Bei Scheinwerferlicht lassen sich nur wenig charmante Bilder anfertigen.


Plötzlich wurde es sehr unruhig auf den Treppen hinter uns. Raschelndes Laub und aufgeregtes Gewisper der Zuschauer ließen nichts Gutes erahnen. Der Störenfried war eine ausgewachsene, große Schlange, die auch etwas von den schönen warmen Steinen abhaben wollte und vorsichtig aus dem Gebüsch auf die Gruppe zu gekrochen kam. Die ganze Szene hatte etwas Urkomisches: Da stehen ganze 22 von diesen gewaltigen Dickhäutern am Wasserloch wie es beeindruckender nicht hätte sein können, und alle Menschen auf der Tribüne wenden der Szene ihren Rücken zu, um sich auf eine einzige Schlange zu konzentrieren, die einmal quer über die Stein-Sitzplätze kriecht, um auf die andere Seite zu gelangen.

Auf dem Weg dorthin kroch sie unter einer Holzbrücke mit Treppenstufen hindurch und ich warnte Marion, dass die Stufe auf der sie stand nicht die sicherste war. Die Schlange hätte natürlich von hinten durchkriechen können…worauf meine Frau dann schaudernd und eilig ihren Standort wechselte. Als das Tier langsam und knisternd auf der gegenüberliegenden Seite im Unterholz verschwand, legte sich die Aufregung wieder, und die Menschen drehten sich wieder dem eigentlichen Schauspiel zu. Die Elefanten waren nun mit dem Trinken fertig und machten sich wieder auf den Weg, um im gegenüberliegenden Gebüsch zu verschwinden. Besonders beeindruckt waren wir davon, wie eine Herde dieser Größe sich in voller Breite und beinahe geräuschlos in das Unterholz begeben konnte, bis sie schließlich ganz von der Dunkelheit verschluckt wurde. Dabei wurde sie hinten stets von zwei erfahrenen Tieren abgesichert, die nicht mal annähernd die Anwesenheit von zwei winzigen Schakalen duldeten, die eigentlich nur trinken wollten. Auch das Rhino wurde nochmal kräftig bedroht, und es schlug sich daraufhin ebenfalls in die Büsche, nur in einer anderen Richtung. Danach kamen noch in einem kurzen Abstand zueinander, drei Löwen und eine Hyäne an die Wasserstelle. Das Ganze glich wirklich einer Theaterinszenierung: Ausnahmslos alle Tiere kamen von der linken Seite und machten ihren Abgang immer nach rechts weg.

Ich drängte Marion dazu, nun endlich schlafen zu gehen, da wir morgen bei Sonnenaufgang weiter fahren wollten, was sie auch einsah. Und so neigte sich auch dieser aufregende Tag dem Ende entgegen. Auf dem Fußweg begegneten uns noch einige Leute, die ebenfalls an die Wasserstelle wollten, und wir kicherten darüber, was sie bereits, ohne es zu ahnen, verpasst hatten. Das war natürlich ziemlich töricht, denn schließlich konnten wir wiederum nicht ahnen, was sich ihnen bieten würde. Es würde jedoch schwer zu überbieten sein. ML

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