• Michael

Namibia SELF DRIVE TOUR Tag 14 - Einheimischer wird wütend

Aktualisiert: 30. Juli 2018


Wir verließen das Fort am frühen Morgen und machten uns auf in Richtung Mount Etjo. Über 400 km Wegstrecke lagen vor uns. Die Strecke würde problemlos zu schaffen sein, da es überwiegend auf geteerten Hauptstraßen voran ging. Unterwegs kauften wir noch in einem großen, gut sortierten Supermarkt in Otjiwarongo Vorräte für die letzten Tage in Namibia ein. Auf dem Parkplatz wartete ein Parkwächter auf unsere Rückkehr, da er sich von uns ein Trinkgeld erhoffte. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich dieses Trinkgeld fest eingeplant, aber es sollte anders kommen. Wir schoben also unseren gefüllten Einkaufswagen zu unserem Auto, um seinen Inhalt zu verstauen, und kurze Zeit später stand der Parkeinweiser schon neben uns. Wir machten ihm verständlich, dass wir noch was zu essen kaufen wollten, um ihm anschließend bei unserer Rückkehr seine gerechte ‚Entlohnung‘ zukommen zu lassen… Er erklärte sich damit einverstanden und verschwand mit geschäftiger Miene im Getümmel, um neue Autos einzuweisen. Aber als wir wieder beim Auto ankamen, war er weit und breit nicht zu sehen. In solchen Fällen gibt es in der Regel nur eine Möglichkeit: Da hat er leider Pech gehabt. Schließlich gibt es ja kein Gesetz, das einen dazu verpflichtet, den Parkeinweisern etwas zu zuzustecken.

Ortsausgang Otjiwarongo: Hier ist Stoppen verboten


Also parkte ich aus der Parklücke aus, und als ich den ersten Gang einlegte und einen halben Meter nach vorne rollte, röhrte der Motor unnötig laut auf, da man eine Leihwagen-Kupplung üblicherweise nicht immer perfekt beherrscht. Leider fand dies ein Einheimischer, ein alter Mann mit Gehstock, überhaupt nicht lustig.

Scheinbar war er der Meinung, dass das Aufheulen ihm gegolten hat und er fuchtelte aggressiv mit dem Gehstock in der Luft herum, um mich für mein ‚rüpelhaftes Verhalten‘ zu tadeln oder - seiner Miene nach zu urteilen, eher zur Rechenschaft zu ziehen. Somit beeilte ich mich, an ihm vorbei zu rollen. Auf einmal erblickte ich auch noch unseren Parkeinweiser im Seitenspiegel, der nun ebenfalls fuchtelnd, schreiend und pfeifend hinter unserem Auto herrannte, um mich zum Anhalten zu bewegen. Da ich aber wenig Lust auf weitere Konflikte bei geöffnetem Seitenfenster hatte und auch noch das Risiko bestand, dass der alte Mann seinen Gehstock auf dem Autodach zertrümmern würde, zog ich es vor, zügig davon zu fahren. Mir tat es im Nachhinein sehr leid, dass der Einweiser länger als ich vorher vermutete hinter dem Auto herlief. Einige Tage später ergab sich die Möglichkeit, einen ausgewanderten Einheimischen darauf anzusprechen.

Dieser meinte mir zustimmend: „Wenn er nicht da ist wenn ich zurückkomme, hat er eben Pech gehabt. Nachlaufen tue ich ihm nicht“. Diese Worte beruhigten mein Gewissen ein wenig. Aber es war dennoch eine unschöne Situation. Wir setzten unsere Fahrt also fort, ließen im Ort eine Krokodil- Ranch links liegen und fuhren unserem Ziel entgegen. Etwa 40 km vor unserem Campsite verließen wir die Teerstraße und bogen auf eine Gravel Road ein. Wir fuhren einige Zeit auf dieser staubigen Schotterpiste, als ich plötzlich rechts in einem Baum einen riesigen Milchuhu entdeckte.

Ein riesiger Milchuhu (oder Blassuhu) direkt neben dem Weg


Sofort leitete ich die Bremsung ein und fuhr wieder ein gutes Stück rückwärts, um das prächtige, ca 60 cm hohe Tier zu fotografieren. Wie unglaublich schwer ist es dagegen, in Deutschland solch ein ähnliches Tier zu fotografieren. In Namibia sind die meisten Tiere bei Weitem nicht so scheu, wie sie das hier bei uns sind, und deshalb blieb der Uhu auch brav sitzen, bis ich einige Bilder von ihm im Kasten hatte. Zu seinen Beutetieren gehören u.a. Perlhühner, Felsenratten, Schliefer, Igel, Mäuse und Schlangen. Seine Augenlider sind eigentümlich rosa gefärbt.


Nach diesem besonderen Erlebnis fuhren wir noch an Pavianen vorbei, die sich ins Dickicht zurückzogen, als ich plötzlich scharf bremsen musste, um einer Kollision mit Warzenschweinen aus dem Weg zu gehen, die plötzlich aus dem hohen Gras heraus auf die Straße stürmten. Sie rannten eine lange Zeit vor unserem Wagen her - und als ich begann, mir Sorgen zu machen, wie lange sie diesen Schweinsgalopp wohl noch aushalten würden, bogen sie dann doch endlich nach rechts ins hohe Gras ein. Von den Einheimischen werden sie humorvoll „African radio“ genannt, da man die Tiere bereits von weitem an ihren senkrecht aufgestellten „Antennen-Schwänzen“ erkennt.

Hetzjagd: Obwohl ich sehr langsam folgte, liefen die Tiere um ihr Leben


Nach der Anmeldung im Mount Etjo Campsite richteten wir uns auf unserem Stellplatz ein, der an einem kleinen See gelegen war. Eine angerissene Wasserleitung lag in unserer Nähe und sprühte eine drei Meter hohe Fontäne Richtung Himmel. Anfangs war das zischende Geräusch sogar ganz nett, erinnerte es doch in ähnlicher Weise an einen kleinen Wasserfall am Gartenteich oder an einen Sommerregen. Doch irgendwann begann es schon etwas zu nerven, und so versuchte ich mit ein paar größeren Steinen den Wasserstrahl abzulenken, was das Geräusch eher noch verstärkte, aber die Fontäne immerhin so klein hielt, dass nicht jede Windböe die feinen Tropfen zu uns herübertragen konnte. Ein paar Bärenpaviane ließen sich zum Trinken und Spielen am gegenüberliegenden Ufer nieder.


An dem See konnten wir zwischen 20 und 30 Bärenpaviane beobachten


Paviane können in der Gruppe sehr gefährlich für den Menschen sein und deshalb hatten wir großen Respekt vor ihnen. Gott sei Dank waren die Tiere aber eher scheu und schlichen nur um unseren Platz, wenn wir gerade nicht da waren, was die hinterlassenen Spuren im Sand verrieten. Hier entstand auch das folgende Video, indem ich darauf eingehe, mit welchen Strategien man sich beim Campen in Afrika am besten vor gefährlichen Tieren schützen kann.



Am Abend wurde die Wasserleitung endlich abgeschaltet, und so konnten wir der unglaublichen Stille lauschen, die ab und zu von fremden Tiergeräuschen durchbrochen wurde. Diese Momente sind, neben vielen anderen, ein Geschenk. Auch wenn man sie nicht festhalten kann. ML

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Unser Standplatz. Im Hintergrund ist der See zu erkennen


Diese Dornen kann man sich überall eintreten. Wenn die Äste vertrocknen, dann liegen sie überall herum.


Handyfoto: Unser eigener "Kral" schützt vor Wind und hält die Wärme besser


(Hier gehts zum nächsten Tag)


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