• Michael

Spritzige Früchte ganz leicht selber fotografieren


Jeder kennt sie: Bilder, auf denen leuchtendes Obst zu sehen ist, inmitten fliegender Wassertropfen, die wie kleine Kristalle glitzern und funkeln. Die Wenigsten wissen jedoch, dass es ganz leicht ist, solch ein dynamisches Foto selber anzufertigen – und: Dass es obendrein noch sehr viel Spaß macht. Dazu brauchen wir nicht mal einen Blitz, sondern nur einen sonnigen Tag im Garten, einen Blumendraht, eine schwarze Decke, einen Reflektor und eventuell noch ein Stativ. Ach ja… und Obst natürlich auch.

Ich möchte Euch kurz erklären, wie ich dabei vorgehe. Zuerst steht man ja vor der Wahl, welchen Hintergrund man haben möchte. Dabei darf man natürlich kreativ sein. Zu beachten ist jedoch, dass ein eher dunkler Hintergrund die Tropfen besser zur Geltung bringt, und auch die Farben der Frucht leuchtender erscheinen. Am besten geht man dazu ins Freie, denn hier stört sich niemand an umherspritzendem Wasser. Von Vorteil ist es auch, wenn die Sonne scheint, denn diese ersetzt uns mit ihrem harten Licht den Blitz, was dazu führt, dass die Tropfen später kontrastreich und scharf abgebildet sind.

Ich entscheide mich für einen schwarzen Hintergrund und nehme dazu einfach eine Decke. Diese hänge ich so vor mir auf, dass die Sonne hinter der Decke steht und diese somit nicht angeleuchtet wird. Das ist wichtig, damit der Hintergrund so schwarz wie möglich ist. Nun steche ich mit einem Blumendraht von oben durch einen Apfel und mache einen kleinen Knoten am Ende des Drahtes, damit der Apfel nicht herunterrutschen kann. Selbstverständlich geht das auch mit anderen Früchten. Nun hänge ich den Apfel so auf, dass er sich auf einer angenehmen Höhe zum Fotografieren befindet. Er sollte etwa einen Meter von der Decke entfernt und so angebracht sein, dass die Sonne den Apfel, aber auch den Wassereffekt, gut von hinten her beleuchten kann.


Nun bringen wir uns mit unserer Kamera in Position. Dabei lassen wir den Apfel auspendeln und fokussieren ihn anschließend manuell. Optimal wäre es natürlich, ein Stativ zu verwenden. So kann man sich in aller Ruhe um den Rest kümmern, und die Hände sind auch frei. Das Stativ erfüllt aber noch eine andere Aufgabe: Da der Apfel von vorne viel zu dunkel wäre, nehmen wir einen silbernen Reflektor zur Hand, um das Sonnenlicht wieder direkt auf den Apfel zurück zu spiegeln. Wer den Reflektor nicht in der Hand halten möchte, kann ihn auch mit etwas Geschick am Stativ anlehnen oder befestigen. In jedem Fall sollte die Decke hinter dem Apfel nicht angeleuchtet werden. Ist das der Fall, dann sollte man den Reflektor einfach in einen anderen Winkel zum Apfel bringen, z.B. etwas von unten herauf anstrahlen lassen.

So sieht einfach skizziert der Aufbau aus

Für solche Fotos eignet sich eine etwas längere Brennweite, ich empfehle 70-150mm. Nimmt man also eine normale Kompaktkamera für dieses Experiment, dann ist es hilfreich, das Objekt heranzuzoomen. Das Schöne an dieser Fotoinstallation ist es, dass man mit nahezu jeder Kamera fotografieren kann, wenn man eine kurze Verschlusszeit einstellen kann.

Nun tasten wir uns an die Belichtung heran. Was wir auf jeden Fall wissen, ist, dass wir das Wasser in seiner Bewegung „einfrieren“ lassen wollen. Dazu benötigt man eine sehr kurze Verschlusszeit, ich empfehle hier eine 1/2000 sec. oder kürzer. Die ISO stellen wir wieder so niedrig wie möglich, aber so hoch wie nötig ein, das hängt sehr von der Umgebungshelligkeit ab. Ebenso verhält es sich mit der Blende: Hier beginne ich mit einer mittleren Blende, zum Beispiel mit f 8.0. Öffnen wir die Blende weiter, so könnte es dazu kommen, dass wir dabei zu wenig Tiefenschärfe erhalten. Aber auch hier gilt: Kaputt machen können wir nichts. Jede Lichtsituation ist etwas anders.

Die Hauptsache ist, dass wir eine kurze Verschlusszeit eingestellt haben. Der Rest kann nach Geschmack und Lichtsituation bestimmt werden.

Manche Ergebnisse sehen wie ein Komet aus ;-)

TIMING IST ALLES

Ist nun alles aufgebaut, die Kamera befindet sich auf dem Stativ, und der manuelle Fokus wurde einjustiert (bei Kompaktkameras nicht immer möglich, hier muss jedes Bild neu fokussiert werden), kann es losgehen. Aus einem bereitgestellten Eimer Wasser schöpft man nun einen Becher und schüttet ihn in Richtung Apfel. Dabei hält man mit der anderen Hand den Finger bereit auf dem Auslöser. Trifft nun die Fontäne Wasser auf die Frucht und spritzt auseinander, dann sollte man schnell reagieren und den Auslöser durchdrücken. Im Grunde automatisiert sich die Reihenfolge in: „Schütt, Splash, drück“ und das immer wieder. Wer sich nicht auf sein Timing verlassen möchte, der kann seine Kamera auch in den Serienbildmodus versetzen und nach dem Schütten „Dauerfeuern“. Mit 10 Bildern pro Sekunde oder mehr, bekommt man eine ganz gute Ausbeute. Diese Methode hat den Vorteil, dass man kaum einen Spritzer verpasst, der Nachteil ist jedoch leider, dass man im Nachhinein sehr viele Bilder durchsehen muss um das Beste zu finden. Benutzt man zusätzlich noch einen Fernauslöser, dann steht man entspannter und kann das Objekt mehr von der Seite anschütten.

Das spannende an dieser Art der Fotografie ist, dass jedes Ergebnis überraschend anders aussieht

NUR PERFEKT DURCH NACHBEARBEITEN

Wenn man nicht nur aus purer Lebensfreude diese Aufnahmen erstellt, und ein perfektes Ergebnis erreichen möchte, dann kommt man um eine gewisse Nachbearbeitung nicht herum. Hierzu benötigt man mindestens die Einsteigerversion von Photoshop, nämlich Photoshop Elements. Kauft man hier eine ältere Version, z.B. Photoshop Elements 12, so kann man auf Ebay recht günstig an diese Software gelangen. Aber es geht auch mit Lightroom und anderen Programmen.

Zuerst beginnt man damit, den Hintergrund dunkler zu pinseln. Dazu eignet sich das Werkzeug „Nachbelichter“. Wir stellen die Bereichseinstellung auf „Tiefen“ damit der Pinsel die hellen Wassertropfen in Ruhe lässt. Nun Pinseln wir über die schwarze Decke, bis daraus eine homogene, tiefschwarze Fläche geworden ist. Anschließend entfernen wir mit dem Kopierstempel den Blumendraht. Wer möchte, kann nun noch das Wasser etwas einfärben um mehr Frische in das Bild zu bekommen.

Am Ende erhält man sehr beeindruckende Aufnahmen mit „Wow-Effekt“ M.L

Mit einer Wasserspritze erreicht man sehr feine, schnelle Tropfen

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