• Michael

Tamron 28-75mm F/2.8 Di III RXD

Aktualisiert: 25. Juni 2018

Ein gewagter Schritt


Es ist eine kleine Sensation für die Sony Freunde: Der Objektivhersteller Tamron hat sein erstes „echtes“ E-Mount Objektiv auf den Markt gebracht, welches am Vollformatsensor eingesetzt werden kann. Die Japaner springen somit gerade noch rechtzeitig auf den Zug auf, den andere Hersteller wie z.B. Sigma erst kürzlich für sich entdeckt haben, auch wenn diese es bisher etwas halbherzig umgesetzt haben. Umso größer ist hier die Chance für Tamron, denn sie haben nun die Möglichkeit mit einem komplett neuen Konzept zu punkten und nicht einfach nur einer bestehenden Linse ein neues Bajonett zu verpassen.

Das Tamron Objektiv macht an der Sony A7III eine gute Figur


Das Konzept


Doch wie ist es Tamron gelungen, solch ein leichtes und kompaktes Objektiv zu bauen, obwohl es auch die lichtstarke Offenblende von f2.8 besitzt? Schnell wird man dazu verleitet, es mit dem Sony 24-70 G-Master zu vergleichen, auch wenn dieses mit seinem Weitwinkel von 24mm und dem damit verbundenen hohen Produktionsaufwand nochmal in einer anderen Liga spielt. Irgendwo ist es auch nachvollziehbar, dass viele hier eine Verbindung herleiten. Denn es gibt viele Fotografen, die sich ernsthaft die Frage stellen, ob sie tatsächlich unbedingt die 24mm benötigen, obwohl diese dann so viel mehr Glas benötigt, um so vieles schwerer ist und weit mehr als das Doppelte kostet. Und genau hier setzt Tamron mit einem für meine Begriffe sehr klugen Konzept an. Indem sie nämlich den Weg des 28 mm Weitwinkel gehen, sparen sie sich kostenseitig eine ganze Menge Aufwand und können das Objektiv nicht nur viel kompakter und leichter bauen, was ja durchaus die Kunden des Sony E-Mounts anspricht, sondern auch deutlich preisgünstiger. Außerdem gibt es obendrauf dann noch 5 mm mehr Brennweite, was den Schmerz, auf die „echten“ 24 mm verzichten zu müssen, auch etwas abmildert und gerade auch die Portraitfotografen erfreuen dürfte.

Leider kein 24mm Glas, dafür am Ende etwas mehr Brennweite


Die Umsetzung


Man braucht es eigentlich nicht extra erwähnen, aber das Fotografieren mit dieser Optik macht schon wirklich sehr viel Spaß. Das Objektiv fügt sich mit einer Länge von nur 117,8 mm dezent in den minimalistischen Look der A7-Kameras ein und sorgt mit seinem Leichtgewicht von nur 550 Gramm für ein bewegungsfreudiges Handling. Es fasst sich zwar für meine Begriffe nicht ganz so hochwertig an, wie man es von der Tamron Super Performance Serie gewohnt ist, allerdings haben die Mitarbeiter von Tamron in Punkto funktionale Verarbeitung definitiv ihre Hausaufgaben gemacht. Um Reflektionen des Sensors abzufangen, wurde der innere Bereich sauber mattiert, die Linsen sauber platziert und verarbeitet.

Die Rückseite des Objektivs ist sehr durchdacht verarbeitet. Am äußersten Ring befindet sich eine Gummidichtung zum Abdichten am Bajonett


Die mitgelieferte Gegenlichtblende aus Kunststoff erfüllt ihren Zweck und lässt sich gut über dem 67 mm Gewinde anbringen. Die Frontgewindegröße ist somit erfreulich klein, so sind entsprechende Filtergläser auch günstiger zu haben. Etwas schade ist, dass man auf zusätzliche Schalter und Tasten verzichten muss, so gibt es nicht einmal einen Schalter, um zwischen AF/MF zu wechseln. Dies geschieht also nur noch im Menü der Kamera, was ziemlich umständlich ist.

Dem günstigen Preis geschuldet: Fehlende Schalter und Knöpfe am Objektiv


Die Gegenlichtblende. Das Objektiv ist Made in China, entworfen wurde es in Japan


Auflösung und Schärfe


Bei der Beurteilung der Schärfe neige ich immer zu einer differenzierten Betrachtung. Das Objektiv ist gnadenlos scharf, hat aber in den Ecken durchaus seine Schwächen. Hier muss jeweils der Anwendungsfall unterschieden werden. Das Objektiv ist im Zentrum überzeugend scharf, allerdings lassen die Ecken doch etwas zu wünschen übrig. Fotografiere ich nun Dinge, bei denen ich im Hintergrund ein deutliches Bokeh erzeuge, z.B. ein Portrait, ein Makro oder einen Gegenstand im Nahbereich bei offener Blende, dann stört mich die Unschärfe in den Ecken überhaupt nicht, da sich diese ohnehin im Bokeh auflösen.

Unscharfe Ecken? Bei so einem Bild eher uninteressant. 1/160 f5.0 ISO 800 / 75 mm


Anders ist es, wenn ich Fotos erstelle, die überall scharf sein müssen, wie z.B. Landschaft oder Architektur. Hier muss ich es dann ich Kauf nehmen, dass das Objektiv in den Ecken nicht so scharf ist, wie z.B. das Sony 24-70 G-Master, welches dafür im Zentrum minimal weicher gerechnet ist. Dies ist aber meine persönliche Einschätzung, und diese entspringt eher dem praktischen Anwendungsfall und nicht irgendwelchen, trockenen Labormesswerten.

Bei einem Landschaftsbild ist es wichtig, wie scharf die Ecken sind. 1/125 f9.0 ISO 200 / 28 mm

Hier Vergrößert. Die Ecke links und rechts oben, und der mittlere Bereich. Der Schärfeverlust in den Ecken ist sichtbar, aber nicht katastrophal. Alle Bilder sind RAW Dateien.


Die Bilder zeigen den Unterschied zwischen den beiden Perspektiven. Oben bei 75 mm, unten 28 mm



Sonstige Eigenschaften


Das Objektiv bringt nebenbei noch eine ganz andere, angenehme Eigenschaft mit sich. Es besitzt einen ganz brauchbaren, aber auch kreativen Makromodus. Dieser ist natürlich nicht mit einem echten 1:1 Makro vergleichbar, aber durch die sehr kurze Naheinstellgrenze von nur 19 cm erreicht man zumindest einen Makro Maßstab von 1:2,9, was ganz neue Perspektiven ermöglicht, da es dann ein sehr weitwinkeliges Makro ist.

Kreative Makros im Weitwinkel. Hierzu muss man extrem nah an das Objekt heran, da die 19cm ab der Sensor Linie gelten. 1/400 f8.0 ISO 160 / 28 mm

1/100 f6.3 ISO 1000 / 28 mm


Das steigert die vielfältigen Möglichkeiten, die man mit diesem Objektiv ohnehin schon hat und eröffnet neue, kreative Wege die sehr viel Freude beim Ausprobieren bereiten. Auch gezoomt entstehen annehmbare Vergrößerungen. Bei vollen 75 mm hat man eine Naheinstellgrenze von 39 cm und einen Vergrößerungsmaßstab von immerhin 1:4.

Ein Pfauenauge stand für das Tamron Objektiv Model. 1/640 f4.5 ISO 160 / 75 mm


Näher und offener geht es nicht bei 75mm. Makro und Bokeh können an diesem Bild sehr gut beurteilt werden. 1/800 f2.8 ISO 400 / 75 mm


Dieser Vergleich zeigt deutlich die verschiedenen Bildwirkungen. Das Makro im Weitwinkel vereinnahmt wesentlich mehr Hintergrund und vergrößert stärker.


Fokus


Die Fokussierung wird über einen RXD-Schrittmotor (Rapid extra-silent stepping drive) umgesetzt. Dieser erwies sich in der Praxis als unglaublich leise, schnell und treffsicher.

Erfreulich ist auch, dass die für Sony typischen Fokusmodi nutzbar sind. Nicht nur der DMF (Direct manual focus) funktioniert prima, sondern auch die Gesichtserkennung, der Augen-AF uvm.

Auch im Videomodus fokussiert das Objektiv schnell und reaktionsfreudig nach. Hier haben die Fremdhersteller langsam dazugelernt.

Denn immer mehr Sony-Nutzer verwenden ihre Kamera nicht ausschließlich zum Fotografieren, sondern auch vermehrt zum Filmen.






Folgendes Video zeigt unter Anderem wie gut der Fokusmotor seine Arbeit verrichtet:




Bokeh


Über das Bokeh lässt sich hervorragend streiten. Wir tun das an dieser Stelle nicht, sondern stellen hier erstmal fest, dass die Meinung über das Bokeh eines Objektivs sehr subjektiv ist. Mein persönlicher Eindruck dazu ist folgender: Das Bokeh fällt mittelmäßig bis gut aus. Ganz so schön, wie es z.B. ein Sony 24-70 G-Master erzeugt, ist es nicht. Obwohl beide Objektive neun Blendenlamellen besitzen, fällt es trotzdem unterschiedlich aus. Die ästhetische Qualität der Hintergrundunschärfe definiert sich ja nicht ausschließlich über die Lamellen, sondern es gibt konstruktiv mehrere, verschiedene Herangehensweisen. Es wirkt in einigen Situationen etwas unruhig, die Reflex-Kreise könnten etwas weicher zu den Rändern hin sein, oft sind diese auch nicht gleichmäßig rund.

Kann sich durchaus sehen lassen. Bokeh bei 28 mm und einer Blende von f2.8. Rechts oben bemerkt man zuerst, dass die Rundheit der Kreise etwas nachlässt.


Dieses Bild zeigt das gleiche Motiv bei 75 mm Brennweite und einer Blende von f2.8.


Ich persönlich habe mich damit angefreundet, weil ich es einfach mag, wenn nicht jedes meiner Objektive die „gleiche Sprache“ für den Hintergrund verwendet. Auch eine unruhige Hintergrundschärfe kann in vielen Situationen ansprechend aussehen, und das Tamron ist fern davon, ein unruhiges Bokeh zu besitzen.

1/800 f2.8 ISO 400 / 75 mm


Fazit


Ein 24-70 f2.8 gehört für viele Fotografen zu den sogenannten „Immerdrauf“-Objektiven. Mit dem Tamron Objektiv verfestigt sich dieser praktische Nutzen noch, da es auch im Nahbereich eingesetzt werden kann. Auch wenn es kein echtes 24 mm Weitwinkelobjektiv ist, und man bei der Ausstattung einige Abstriche machen muss, so überzeugt es doch im mobilen Einsatz durch seine kompakten Maße, der sehr scharfen Mitte und des schnellen, leisen und treffsicheren Autofokus, nicht nur beim Fotografieren, sondern auch beim Filmen. Für all das gibt es nicht nur einen attraktiven Preis, sondern auch gleich 5 Jahre Tamron-Garantie oben drauf. ML


+ attraktiver Preis - Kein echtes 24er Weitwinkel

+ geringes Gewicht - Keinen AF/MF Schalter oder Zusatztasten

+ überwiegend sehr scharf - Schärfe in den Ecken

+ Verarbeitung - relativ deutliche Vignette

+ Naheinstellgrenze

+ Fokus

+ 5 Jahre Garantie bei Tamron


1/640 f4.5 ISO 160 / 75 mm


1/160 f5.6 ISO 800 / 28 mm


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